Nachmittag eines Fauns Work in progress
Film / Lifeacts mit -Performance – Tanz und Stimme -Lesezyklus – für Gräser, Blumen, Bäume, Tiere Kunstbuch – fotografische Inszenierungen und Texte Veröffentlichungen ab Frühling 27 Im zeitgenössischen Kontext zu «l`après midi d`un faun« von Nijinsky (1889-1950) uraufgeführt im Jahr 1912 Eine Ode an den legendären und grössten Balletttänzer seiner Zeit Waslaw Nijinsky
Tanz
Das Stück wird aus der Ballettsprache herausgelöst und in Renee Schmalz`s eigene Tanzsprache übertragen und ausgestaltet. Der Faun, ein Fabelwesen aus der Mythologie, halb Mensch halb Tier, rührt an den Aggregatzuständen des Lebens. Grenzen- Übergänge-Verwandlungen werden durchTanzkörper, Geisträume und Seelengründe hindurch bewegt. Der Faun wird in und mit der Natur tanzen, wie auch mit seinen Bewohner*innen wie Eseln, Schweinen, Hühnern u.a.m.
Foto/Stimme
Gabriella Gombas wird Stimmlandschaften im Dialog zum Tanz kreieren –Ihre Stimme als Anrufung der Kräfte, Beschwörung der verschieden Ebenen der Lebenskreisläufe.
Zum anderen wird sie die Prozesse der Tanzerarbeitungen begleiten und Fotoreihen zu Bildkapitel gestalten.

Film / Trailer
Pfefferproduktion – Torben Nuding, Konstanz
Schnitt
Torben Nuding / Gabriella Gombas
Film – Vertonung / Gesang
Gabriella Gombas, Tägerwilen
Foto
Gabriella Gombas
Tanz
Renee Schmalz, Gottlieben
Tiere
Glückshof – Manu Minder, Schmidrüti
Autor*innen Texte
Eva Maria Leuenberger, Biel – Dorschel Verlag
Levin Westermann, Biel – Matthes-Seitz Verlag
Barbara Marie Hofmann, Konstanz
Veronika Fischer, Konstanz
Grafik
noch offen
Verlag
edition abcdefghijklmnopqrstuvwxyz, Diessenhofen Thurgau
Fritz Franz Vogel
Produktionsbegleitung
Jacques Erlanger / Mira Boss, St. Gallen – kulturvermittlung.ch
Vertrieb Film / Buch
noch offen
Gesamtkonzept
Renee Schmalz / Gabriella Gombas
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Im Jahr 1912 choreografierte der Ballett-Tanzer Waslaw Nijinski «Nachmittag eine Fauns« zur Musik von Claude Debussy. Dieses Tanzstück war zu seiner Zeit revolutionär und die Interpretation seines Fauns war in seiner tänzerischen Radikalität eine avantgardistische Rebellion.
Nijinsky brach völlig aus den gewohnten stilisierten Tanzschritten seiner Zeit aus und auch seine sexuellen Anspielungen brüskierten das Publkum aufs Äusserste.Der Kritiker Gaston Calmette war entsetzt: “Ein plumper Faun mit äusserst vulgären, obszönen und animalischen Bewegungen“.
Nach einer Aufführung in St. Moritz im Jahr 1919, in der Nijinsky statt des angekündigten Programmes Krieg und Zerstörung tanzte, erlitt er einen schweren Nervenzusammenbruch mit der anschliessenden Diagnose Schizophrenie. Danach verbrachte er einen Grossteil seines Lebens in psychiatrischen Kliniken in der Schweiz, u. a. im Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen, Thurgau. Seine Frau pflegte ihn über dreissig Jahre lang und hoffte auf ein Wunder der Gesesnug, die aber nie eintraf.
Die ersten Eindrücke von Waslaw Nijinskys Wesen bekam Renee Schmalz in den 80er Jahren in Japan bei seinem Tanzlehrer Kazuo Ohno (1906-2010). In New York hatte Ohno Originalfotos Nijinskys von dessen Tochter Kyra Nijinsky (1914-1998) geschenkt bekommen. Diese Fotos hingen in Ohno`s Tanztraum in Tokio, die bei Schmalz tiefgehende Spuren hinterliessen.
Ab 1986 zeichnen sich gewisse Paralellen ab in den Lebensverläufen von Schmalz zu Nijinsky`s. Nijinsky hat zu seiner Zeit mit den gängigen Genres des Tanzes gebrochen. Und auch Schmalz, aus dem Nährboden und Hintergrund des japanischen Butoh`s heraus, bricht den Rahmen des konventionellen Tanzes auf. Zum anderen – der Ort Kreuzlingen gehört auch zum zentralen Lebenspunkt von Schmalz. Und mit Hansruedi Binswanger, Nachkomme des damaligen Direktors der Klinik Bellevue in Kreuzlingen, verband Schmalz eine jahrelange Freundschaft, in der das Bellevue und Nisijinskys Aufenthalt oft Gesprächsthema war.
Auch Renee Schmalz musste sich während einer bestimmten Lebensphase mit der Diagnose und dem Ausnahmezustand Schizophrenie auseinandersetzen. Diese Grenzerfahrung, durch tiefste Abgründe des Menschseins hindurch gehen zu müssen und daraus genährt und bestärkt hervorzugehen, hat ihn nachhaltig geprägt, sowohl als Mensch wie auch Tänzer.
