Fruits of life

«Fruits of Life« – Das Alter und der Tanz
Der Körper als das Gefäss von Zeit

Tanzzyklus und Buch

                      Konzept Schmalz-Gombas


Tanzzyklus – Liveperformances                Videoinstallation                 
Unterschiedliche Tanzpositionen              Im Eingangsbereich der                                                                                                  
Die Tänzer*Innen                             Performances                               
-delta RAi und Julia Funk, Berlin           -Jonas Ruedi, Wängi    
-Wilma Vesseur, Trogen                                                        
-Anna von Siebenthal, Luzern                                                                           
-Robert Steijn, Amsterdam
-‚Dance me to the...End?‘ Recherche-Gruppe Tänzer:innen minus60plus  
 aktuell mit: Angela Stöcklin/Jeanette Engler/Tina Mantel/Ivan Wolfe/ 
 Gisa Frank/Katharina Vogel/Angelika Ächter, aus der Deutschschweiz  
-Renee Schmalz und Gabriella Gombas, Gottlieben
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Die Performances finden statt                  
-1./2. November 24,                          -22./23.Februar 25                                
 Kult-X, Kreuzlingen/Konstanz                 Lokremise, St.Gallen
               
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Buch                                                
Texte                                         Fotos                         
-Franz Hohler, Zürich                        -von den Tänzer*Innen        
-Johannes Lothar Schröder, Hamburg           -Anita Kaya, Wien
-Veronika Fischer, Konstanz                  -Jonas Ruedi, Wängi                     
-Sabine Brönnimann FährFrau, Zürich                                                                                                                                                                   

Die Tanzperformances
Eine Spurensuche

Ein Tanzzyklus, der unterschiedlichste Tanzstiele und Tanzpositionen zusammenführt zum Thema der Tanz und das Alter. Dazu eingeladen sind unterschiedliche Tänzer*Innen/Duos/Tanzgruppe aus verschiedenen europäischen Ländern, die je eine eigenständige Tanzperformance ausarbeiten. Sie sind zwischen 28 bis 74 Jahre alt und beleuchten das Thema Alter aus ihrer ganz persönlichen Perspektive heraus.

Tanzen im Alter verliert sich nicht mehr im konventionellen Rausch der Jugend, er wird vielmehr angetrieben von Impulsen die intensiv, extrem freudig, extrem schmerzhaft oder dann extrem schlicht sein können. Das Flehen, nicht mehr der funktionierende, leisungsgetriebene und gebändigte Mensch zu sein um wieder Wasser, Feuer, Erde, Greis oder Girl zu werden.
Ich bin nicht nur was Du denkst – ich stehe auch für etwas anderes: Mensch sein mit Zugang zu seinen unendlich ozeanischen Tiefen, zu einer uralten, niemals zu zähmender Kraft. Vielleicht gelingt es uns, diese Tiefen auszuloten und das Alter in einen ungeahnten, sichtbaren Reichtum zu verwandeln, so dass sich das Letztendliche im Leben erfüllen kann – die Früchte des Lebens zu pflücken.

Der Tanz-Körper im Alter ist von der eigenen, subjektiven Lebensgeschichte durchdrungen. Diese nagt an der Substanz des Körpers, an der Ausrichtung im Tanzgeschehen. Das Altern ist in sich subversiv, bewegt sich auf geheimen Pfaden und dringt ungefragt in das Alltagleben, Erleben und in die künstlerischen Prozesse ein. Ein alternder Körper ist der unmittelbare Ort, um die Vergänglichkeit unseres Seins auszudrücken. Die TänzerIn transportiert diese Körperbotschaften in seine Performance hinein. Die Spuren und Einschreibungen der persönlichen wie kollektiven Lebensgeschichten liegen sichtbar offen und sind Aufforderung, sich der eigenen körperlichern Endlichkeit und Fragilität zu stellen.

Fruits of Life ist ein Tanzzyklus, in dem Verbindungen von Lebenslauf und Werklauf gesucht werden – Versuche, den tänzerischen Körper auch im Alter noch frei zu lassen, das Erstarren zu verflüssigen. Ein sichtbar gemachter Prozess aus aberhundert kleinen, grösseren und winzigen Abschieden – ein inneres Vorbereiten auf den grossen Abschied, den eigenen Tod.

Werden die Bewegungen im Alter ernster oder komischer? Katapultieren wir den Körper immer noch in den Raum? Stossen ihn ab? Ziehen uns gegenseitig an? Toben uns aus? Fallen hin? Küssen den Boden?

Tanz und Alter ist eine Disziplin, bei der bisher wenig vorgeschrieben ist, wenig Wege versperrt sind, weil sie wenig begangen und daher noch nicht oft kontextualiert worden sind. Eine klärende Rebellion, die Raum lässt für ungewohnte Impulse. Gedanken-Sprünge, die wie Flutwellen die TänzerIn mitreissen, die wie ein Luftzug den Körper schauckeln, treiben, schwingen.

Das Alter ruft die Liebe zur Ordnung – Liebe ich genug? Liebe ich richtig? Mache ich sie nicht kaputt, wenn ich sie zu ergreifen versuche?
Alles Fragen an den Tanzkörper. So tanzen wir von der dunklen Seite des Mondes her, mit dem tiefen Verlangen nach intuitiver Verwandlung, nach sinnlicher Transformation, in ein wo Anders hin, vielleicht in ein zu sich Selbst.

Tanz und Alter oszillieren zwischen poetischer Offenheit und gradezu schmerzhafter Direktheit. Die Wunden, die der Körper über all die Jahre erleidet, können vernarben und heilen. Die inneren Wunden bewahre ich in mir als Tänzer*In, und wie menschlicher Humus werden sie verarbeitet, so dass durch Tanz und Alter das Wesen und der Körper geformt und umformt werden. Dies enthüllt eine eigene Ästhetik und Schönheit in sich, wie auch das Wissen und die Einsicht um die eigene Verletzlichkeit und Notwendigkeit, sich auf den Wandel einzulassen.

Das Buch
-Neun Fotoreihen bestehend aus je sechs bis 10 Bildern. Dies müssen nicht zwingend Tanzfotos sein, es werden auch künstlerisch Imaginationsbilder zum Thema Alter und Tanz ausgestaltet werden wie z. Bsp. Bilder aus der Vergänglichkeit der Natur, das Fragile einer verwelkenden Blume, Tablaux vivant u.a.
-Texte von vier sehr unterschiedlichen Autor*Innen zum Thema

Als durchgehendes und wiederkehrendes Gestaltungsmittel erarbeiten Schmalz-Gombas eine Fotoreihe, die das Titelthema “Fruits of Life“ künstlerisch umsetzt. Als Inspirationsquelle dienen uns die Kompositionen der Stillleben des Malers Pieter Claesz (1596-1660). Seine Malerei zeichnet sich v.a. aus, den alltäglichen Dingen einen magische Glanz zu verleihen.


Kostproben

von Franz Hohler zum Buch
Blätterfall

Da wirbeln sie
braun und runzlig
über die Dächer
drehen sich tanzend
um sich selbst
bevor sie zu Boden sinken
um sich nochmals
vom Wind getragen
raschelnd und kichernd
zu überschlagen
und aneinander zu kuscheln
vor Thujahecken
und moosigen Gartenmauern.

Dass Sterben
so lustig sein kann.