Puppets, Puppets

Puppets, Puppets

Ein Kunstprojekt von Schmalz/Gombas
in Kooperation mit Anna von Siebenthal, Astrid Künzler und Leonie von Siebenthal

Mitwirkende

Schmalz-Gombas, Gottlieben Thurgau      
Konzept, Ausgangsszene- und Installation, Performance, Gesänge

Anna von Siebentahl, Wagenhausen Thurgau   
Performance

Astrid Künzler, Winterthur Zürich			    	    Performance, Video
 
Leonie von Siebenthal, Wagenhausen Thurgau 				    Umsetzung der Objekte für Schaufensterpuppen
		 	         		

Performances

Von Mai bis Oktober 2023 werden drei Performance-Blöcke stattfinden. Jeder der Blöcke
gestaltet mehrere in sich geschlossene abendfüllende Performances mit eigenen
Fragestellungen, Codierungen und Decodierungen. Den ersten Performanceblock in Sigmaringen umfasst während einer Woche vier Performances, die je einen Abend gestalten: Schmalz/Gombas, die Theatergruppe Spieltrieb, Anna von Siebenthal und Astrid Künzler. Beim zweiten Block in Winterthur wird es pro Woche drei Performances je mit Schmalz/Gombas, Anna von Siebenthal und Astrid Künzler geben (insgesamt 6 Performances). Der letzte Performanceblock in St.Gallen besteht wiederum aus zwei Abenden, an welchen alle Künstler*innen direkt hintereinander performen.

Jeder nachfolgende Performerin nimmt das vorgefundene Szenenbild auf, interpretiert und gestaltet es im eigenen Kontext um. Das so entstandene Szenenbild führt in den nächsten Block. So entsteht ein laufender, sich verändernder Prozess mit offenem Ausgang. Hierdurch wird auch die Autorenschaft von Schmalz/Gombas aufgebrochen.

Zeitraum und Handlungsorte der 3 Performanceblöcke

-die genauen Daten inerhalb der genannten Zeiträume werden noch bekannt gegeben

Alter Schlachthof                   8. - 14. Mai 2023	4 Performances
Sigmaringen,Deutschland

Kunst im Depot                      3. - 16. Juli 2023  6 Performances
Winterthur       

Lokremise                           7. - 8. Okt. 2023	6 Performances
St. Gallen	
mit Lifestream über couchkult.ch

Konzept

Ausgangspunkt von Puppets, Puppets ist eine Installation mit sieben Schaufensterpuppen und textilen Objekten, die in aufeinanderfolgende Performance-Blöcken immer wieder neu interpretiert werden.
Sieben lebensgrosse Schaufensterpuppen sind Platzhalter in unserer performativen Arbeit und fungieren als Trägerinnen von Spiegelung, Wunschbild und Alter Ego. Vorgängige Bedeutungen der Menschen- und Puppenkörper wie gesellschaftlich codierte Körperbilder werden von uns durch die performativen Elemente Tanz und Gesang, sowie gestalterischen Prozessen überlagert, verschoben und neu kommentiert. Thema und Ziel sind die Befreiung des Körpers aus dem Korsett des Mechanischen hinein ins Bewegte.

Kann das Verborgene sichtbar gemacht, Schein in Sein, Mechanik in Lebendigkeit gewandelt werden? Oder umgekehrt – das Künstliche dem Tod überführt werden, mechanische Grundstrukturen in der Lebendigkeit aufgezeigt, dem Sein ein Schein verleiht werden?

In unserer Inszenierung sind die Puppen Schlüsselfiguren und katalysieren das Geschehen der Performances. In Resonanz zu den Kunstfiguren werden von uns Haltungen eingenommen, bewusst gewählt, dialogisch und monologisch. Es entstehen Beziehungen zu- und untereinander – sich in der Familie der Figuren bewegen und bewegen lassen. Was spielt sich dabei ab, welche Zwiegespräche werden sich uns eröffnen? Jede Antwort wird eine neue Türe öffnen, wobei der Ausgang noch ungewiss ist.

Im Spiel zwischen Mensch und Puppe werden innere Zusammenhänge rund um menschliche Regungen sichtbar gemacht. Dieser Tanz provoziert kleine Bewusstseinssprünge, Kurzschlüsse und Überraschungen. Der Performer*innen bewegen sich in ihrer traumwandlerischen Motion.

Wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen Natur und Artefakt, Körper und Künstlichkeit.
 Dazu initiieren wir eine Transformation unserer Puppen, die sukzessive Umformung geschieht mittels Recyclings von Textil- und Kunststoffmaterialen, die zur Ausgestaltung der Objekte für die Puppen verwendet werden. Wir benutzen Plastiksäcke, alte Kleider und Vorhänge, Fischernetze, präparierte Handspiegel und Nylon-Strümpfe. Es werden u.a. Verlängerungen von Armen, Beinen entstehen, die in den Raum auslaufen, Ausbuchtungen von Schultern und Hüften. Wir fokussieren einzelne Körperteile, tanzen mit einem Arm oder schütteln Hände aus dem luftleeren Raum und besingen dazu einen Abschied.

Die verwendeten Mittel Tanz, Gesang, Bildende Kunst, Zeichnungen, Video und Textilien werden mit verschiedenen künstlerischen Strategien verbunden: Durch temporäre Objekte wird die herkömmliche Ausstellungspraxis aufgebrochen. Unsere Objekte sind aus Recycling-Materialien und folgen der Ästhetik des Weggeworfenen.
In dem 3-Generationen-Projekt treffen die künstlerischen Sprachen von Schmalz/Gombas auf die der Performerinnen Astrid Künzler und Anna von Siebenthal. Die Umsetzung der textilen Objekte übernimmt die Textilkünstlerin Leonie von Siebenthal.

Umsetzung

Residenzen Schmalz-Gombas im alten Schlachthof Sigmaringen, D
1. Woche 
3.- 10. Nov. 2022 Grundlagen-Erarbeitungen

2. Woche
6.- 15. März 2023 Installation und Proben

1.Woche: Erarbeitungen
Während dieser Woche haben wir täglich in der Black Box gearbeitet mit sich immer wiederholenden Einheiten: Pro Einheit 20 Minuten tanzen – 20 Minuten zeichnen.

Im Zentrum standen imaginierte Körper-Reisen von Kopf bis Fuss die sich in Tanz-Sequenzen widerspiegelten, die daraus gewonnen Bilder und Erfahrungen wurden in Zeichnungs-Sequenzen übersetzt.

Rund 100 grossformatige Zeichnungen sind so entstanden. Diese Zeichnungen sind unser Basismaterial für Schnittmuster, die für die Ausgestaltung der Objekte für die Schaufensterpuppen verwendet werden.

  1. Woche: Installation und Proben
    Aneignung der Materialien, tänzerische und performative Choreografien, gesangliche Strukturen legen. Wir bereiten die Installation vor mit den 7 Schaufensterpuppen und ihren dazugehörigen Objekten/Ausgestaltungen und loten die Interventionen aus.
    Es sind: 3 stehende / 2 sitzende / 2 liegende Puppen.



Ziel: Gesellschaftsrelevante Fragestellungen mittels künstlerischer Arbeiten

Die menschliche Figur steht im Zentrum unserer performativen Installation und ist das Mass aller Dinge. Davon ausgehend resonieren wir mit den Schaufensterpuppen. Deren gesellschaftliche Codierungen und Attribute – Träger von Schönheits- und Sehnsuchtsidealen, Artifizialität und Unbeseeltem – brechen wir auf, sie werden durch neue Bildsprachen erprobt, hinterfragt und ersetzt.
Das Ich ist immer wieder ein Anderer – in unserem Kontext die Puppe. Unser digitalisiertes Zeitalter wirft Fragen nach inszenierter Künstlichkeit und Authentizität, idealisierten Selbstbild und Perfektion unserer Selbstnatur auf. Diesen Fragestellungen haben sich auch Künstler wie Chirizo, Max Ernst, Kokokschka, Margritte, Duchamps, Louise Bourgeois, Annette Messangers und viele Andere angenähert.

Der neue Mensch – ein durch Technik aufgeladener Mensch, ein digitales Produkt, mit der Gentechnologie als optimistische Zukunftsvorstellung? Die gesellschaftlich relevanten, inszenierten Bilder und Handlungen, werden von uns infrage gestellt: Die Puppe dient als Projektionsfläche eigener und kollektiver Erfüllungen, Traumata und multiplen Ichs, die sich nicht nur einem Geschlecht, einer Nationalität zuordnen lassen. Die Puppe als Wunschtraum für einsame Männer oder als sexuell aufgeladener Fetisch, der das Alter negiert und den uralten Traum vom ewigen Leben erfüllt – reproduzierbar wie die Hologramme in fiktiven Livekonzerten, wie von ABBA und Elvis.

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